Chorea Huntington

Neurologische Erkrankungen


3. CHOREA HUNTINGTON

bekannt auch als Veitstanz (griech. chorea = Tanz)

DEFINITION

- zuckende, einschießende Bewegungen
- von George Huntington (Arzt) erstmals als Erbkrankheit beschrieben
- Kennzeichen: choreatische Hyperkniesien / psychopathologische Phänomene / Demenz


SYMPTOMATIK

Beginn: 
psychopathologische Phänomene, die oft übersehen werden
- Affektlabilität
- Reizbarkeit
- kognitive Fähigkeiten sind beeinträchtigt (z.B. Konzentrationsstörungen)
- depressives Syndrom (manchmal auch manisch oder pranoid-halluzinatorisch)
- Suizidalität

Später zusätzlich:
- aggressive Tendenzen und Enthemmung
- Resignation und Gleichgültigkeit (betr. Umwelt und eigene Person)
- demenzielles Syndrom

Charakteristische Bewegungssstörungen:
- choreatische Hyperkninesien (kurze, einschießende Bewegungen, ruckartig + unregelmäßig, normaler Bewegungsablauf unmöglich)
- unwillkürliche Kontraktion der Schluck- und Sprechmuskulatur (Schlucken und Artikulation gestört)
- Grimassen schneiden
- Bewegungsstörungen der Augen
- Lidkrampf
- u.U. Rigor oder epileptische Anfälle


Mögliche vegetative Begleitsymptome:
- Einnässen + Einkoten
- vermehrtes Schwitzen
- ständige Bewegungsunruhe + Schluckstörungen = Gewichtsverlust
- im Spätstadium: Verwahrlosung möglich


DIAGNOSTIK
- EEG, CT/MRT, PET
- Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers)
- Gentest (bei entsprechender Familienanamnese)
- körperliche Untersuchung durch FA
Differentialdiagnostisch abklären:
ähnliche neurologische Erkrankungen ausschließen lassen: z.B. Enzephalititden, Chorea minor, Morbus Wilson

Chorea minor Sydenham: Immunreaktion auf Streptokokkeninfekt mit Beteiligung der Stammganglien = choreatische Bewegungen der Arme, Beine und Gesichtsmuskulatur


KRANKHEITSVERLAUF + EPIDEMIOLOGIE
Prävalenz: 10 pro 100.000
Beginn: meist zw. 30. - 50. Lj.
Keine Geschlechterpräferenz
fortschreitend, unheilbar, führt nach 10-20 J. zum Tod
Endstadium:
stark pflegebedürftig + körperlich ausgezehrt
Ateminsuffizienz + Pneumonien = eigentliche Todesursache


ÄTIOLOGIE
Erbkrankheit (autosomaldominanter Erbgang)
Elternteil erkrankt: 50% der Nachkommen = Genträger = die Krankheit manifetsiert
Gendefekt führt zum Untergang von Nervenzellen im Nucleus caudatus + im Putamen (Basalganglien)


THERAPIE
kurativ: z.Zt. nicht möglich
Beeinflussen der Symptomatik:
- hyperkalorische Nahrung (gegen die körperliche Auszehrung)
- Logopädie + Physiotherapie (zu Beginn der Erkrankung)
- antihyperkinetische Medikamente (Tiaprid)
- Antidepressiva
- psychotherapeutische Behandlung
- humangenetische Beratung - NUR von spezialisierten Ärzten!!! (= schwierige ethische Situation und die Suizidalität des Patienten erhöhen kann)
- psycho-soziale Betreuung


Quelle: Lehrbuch Heilpraktier für Psychotherapie / Christopher M. Ofenstein

Bildquelle: Pexels

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