Suizid + Suizidalität - Diagnostik + Therapie - 3
SUIZID + SUIZIDALITÄT
DIAGNOSTIK
- Abschätzen der suizidalen Gefährdung - Thema Suizid ansprechen!
- Welche Faktoren liegen vor? Motivation verstehen.
- Liegen psychische Erkrankungen vor?
- Welche Werte, religiöse Überzeugungen, Zukunftsperspektiven hat der Klient?
- Welche inneren Regeln hat der Klient?
Suizidgedanken behutsam erfragen/ansprechen. Klienten erleben es meist als Entlastung.
Es ist aber nicht sicher, dass die Selbsttötungsabsicht dadurch aufgegeben wird.
Spezielle Fragebögen: Gießen-Test, Selbsteinschätzungsskala
Passive Suizidalität
= Wunsch nach Ruhe und Auszeit = keine konkreten Handlungsabsichten erkennbar
Akute Suizidalität
= ständige Beschäftigung mit dem Suizid + konkrete Selbsttötungspläne vorhanden
Personen die akut suizidgefährdet sind gehören NICHT in die Hände eines HPs, sondern in
stationäre Therapie!
THERAPIE
Krisenintervention = Prävention- sofort beginnen
- das Umfeld des Patienten einbeziehen
- aktuellen Konflikt fokussieren
- freiwillige Einweisung ins Krankenhaus
- ggf. Zwangseinweisung bei akuter Suizidgefährdung durch die Polizei
Ziel: Abwendung eines Suizids / Einleitung einer stützenden Psychotherapie
Schritte der Krisenintervention
- Vertrauensverhältnis aufbauen
- Krisensituation klären
- Grunderkrankungen durch FA behandeln lassen (z.B. organische Psychose, Schizophrenie, ...)
- beruhigende Begleitmedikation
- Lösung der Krise durch
- überwinden der gedanklichen Einengung = Planen/Organisieren der nächsten Stunden/Tage
- überwinden der sozialen Einengung = Familie, Freunde, Verwandte, ... einbeziehen
- überwinden der Sinnlosigkeit = Erarbeiten von Aufgaben/Dingen... die das Weiterleben erfordern/sinnvoll machen (Kinder, Partner, Projekte, religiöse Auffassungen, ...)
NIEMALS aufdeckend arbeiten!
Die Person braucht gegenwärtig konkrete Hilfe für derzeitige Probleme!
Tatsächliche Hilfestellungen für die Bewältigung des Alltags haben Priorität.
Ist die akute Phase vorbei, sollte weiterführende Psychotherapie angeboten werden.
Umgang mit suizidalen Menschen,
eine Empfehlung:
- offen, objektiv über den Suizid reden- abwertende Äußerungen hinsichtlich der Motive, des Verhaltens... unterlassen
- erklären wie es zu suizidalem Verhalten kommt und da Suizid eine unangemessene Lösung ist
- Bezugsperson(en) und Therapeuten einbeziehen
- häufige Sitzungen einplanen
- nicht die Verantwortung für das suizidale Verhalten des Klienten übernehmen
- Kollegen konsultieren
- evtl. Krisenintervention vorbereiten
- ständig das Risiko eines Suizids / suizidales Verhalten überprüfen
- örtliche Nofall-, Krisen-, Suizidzentren kennen
- dem Klienten eine Karte mit Telefon-Nummern von Polizei, Krisenzentrum, Kliniken, Telefonseelsorge, eigene Tel. Nr. , ... aushändigen
- "Anti-Suizidvertrag" mit dem Klienten abschließen (ein Versprechen sich über einen bestimmten Zeitraum nichts anzutun)
- Kontakt zum Hausarzt aufnehmen - Hinweis: Gefahr einer Überdosierung von Medikamenten
- dem Klienten Wärme und Aufmerksamkeit entgegenbringen, offen
- nicht-suizidale Gedanken und Reaktionen verstärken
- "Wenn sie sterben, werde ich traurig sein, aber mein Leben dennoch weiterführen" - offen die Reaktion auf suizidales Verhalten aussprechen
- Wie werden andere auf suizidales Verhalten reagieren? Realistische Erwartungen mit dem Klienten erarbeiten
Polizei oder Amtsarzt einschalten = Klient wenig kooperativ und suizidgefährdet
Quelle: Lehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie - Christopher M. Ofenstein
Bildquelle: Pexels

