Morbus Parkinson

Neurologische Krankheitsbilder

2. MORBUS PARKINSON

- bekannt als Schüttellähmung (shaking palsy) - 1817 von James Parkinson beschrieben

- Synonyme: Parkinson-Syndrom, Parkinson-Krankheit

- geht oft einher mit einer depressiven Symptomatik und im Spätstadium mit einer Demenz

- langsam, unaufhaltsam fortschreitende Erkrankung des ZNS

- unheilbare chron. Erkrankung


Morbus Parkinson = hypokinetisches-hypertones Syndrom mit der Trias:
  1. Tremor (Zittern)
  2. Rigor ( Steifigkeit)
  3. Akinese (Bewegungsarmut)


KLASSIFIKATION nach der Entstehung:

- idiopathisch oder primäre Form (über 80% der Fälle, degenerativ, ohne erkennbare Ursache)
          - das ist die eigentliche Form: die schwarze Substanz des Mittelhirn geht zugrund
            (dopaminerge Neuronen in der Substantia nigra)

- symptomatisch oder sekundäre Form (ausgelöst durch Medikamente, Vergiftungen, Tumor,  
  Stoffwechselerkrankungen, Enzephalitiden, Veränderung der Gefäße im Gehirn)
          - bei M.P. durch Medikamente verursacht (vorallem Neuroleptika) - wird das Dopamin im
            Gehirn blockiert, sodaß die neuronale Signalübertragung nicht mehr richtig funktioniert, es
            kommt i.d.R. NICHT zum Untergang von Nervenzellen.



SYMPTOMATIK
Leitsymptome

- Tremor (Zitttern) 
       - Ruhetremor (70% leiden darunter) - wird i.d.R. durch emotionale Anspannung verstärkt
             - relativ langsamer Takt des Zitterns
             - bei zielgerichteten Bewegungen lässt das Zittern nach, bis das Ziel erreicht ist (z.B. ein Glas halten)
       - Haltetremor des Kopfes kommt u.U. dazu
       - Tremor in den Fingern = Pillendreher-Phänomen
       - Tremor im Unterkiefer = Rabbit-Phänomen

- Rigor (Steifigkeit) 
       - beginnt häufig mit Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich
       - später dann Feinmotorik gestört (z.B. Essen mit Besteck, Schreiben, Knöpfe schließen...)
       - die Bewegungen erfordern ein Nachdenken
       - verminderter Haltungsreflex (d.h. bei einem Stoß fehlt die ausgleichende Bewegung)

- Akinese (Bewegungsarmut)
       - unwillkürliche Bewegungen sind vermindert (Mitschwingen der Arme, Maskengesicht, Gestik, ...)
       - willkürliche Motorik ist verlangsamt , Trippelschritte, Bewegungsblockaden, Starthemmung bei Bewegungsabläufen, Fallneigung, monotone leise Sprache, die Schrift wird zum Zeilenende hin kleiner.

- psychische Begleitsymptome: depressive Symptome, Angst vor Stürzen (Angstsymptome), Affektlabilität, Bradyphrenie (geistige Funktionen verlangsamt), evtl. auch demenzielle Symptome

- vegetative Begleiterscheinungen: Salbengesicht (Seborrhö), Schwitzen, Verstopfung, niedriger Blutdruck, Speichelfluss vermehrt, Harn wird zurückgehalten.


DIAGNOSTIK
- körperliche Untersuchung: Rigor, Tremor, Akinese, Haltungsreflexe
- EEG, CT, MRT, PET
- Therapieversuch mit L-Dopa , Erfolg untermauert die Diagnose
Differenzial diagnostisch ausschließen:
- Alterszittern (seniler Tremor)
- neurolog. Erkrankungen mit Gangstörungen
- Depression
- Demenz




EPIDEMIOLOGIE + VERLAUF
- sehr häufige neurolog. Erkrankung (Prävalenz: 200 pro 100.000)
- Auftreten meist nach dem 60. Lj.
- mehr Männer als Frauen betroffen
            z.B. Muhammed Ali, Otfried Fischer
- führt unbehandelt nach kurzer Zeit zum Tod, unter L-Dopa Lebensqualität + -Erwartung verbessert
- Verlauf: fortschreitend, unheilbar, chron.
- 10% entwickeln eine Demenz

ÄTIOLOGIE (Entstehung / Ursache)
Ursache: unklar
Entstehung: dopaminergene Nervenzellen der Substantia nigra und im Striatum des Mittelhirns (beide gehören zum extrapyramidalen System, das für die Steuerung der Bewegung zuständig ist)
zerfallen= Dopaminverlust = Ungleichgewicht der Neurotransmitter = Kontrolle und Koordination der Bewegungen sind beeinträchtigt.

THERAPIE
- L-Dopa (Vorstufe des Dopamins)  - das fehlende Dopamin muss ersetzt werden - Beginn der Mediaktion mit dem Patienten absprechen!
Nebenwirkung:
- starke Schwankungen der Beweglichkeit (On- + Off-Phasen), auch überschießende Bewegungen
- paranoid-halluzinatorisches Erleben + Delir-ähnliche Symptome
- nach 2-5 Jahren verliert das Medikament an Wirkung, es kommt zu akinetischen Phasen
Alternativen:
Dopamin-Agonisten, Selegilin, Amatidin (allein oder in Kombi mit L-Dopa)
- Psycho-Edukation
- Krankengymnastik
- Ernährungsumstellung (eiweißreiche Nahrung behindert die Aufnahme der Medikamente)
- Psychotherapie, insbesondere bei depressiver Symptomatik


Quelle: Lehrbuch Heilpraktier für Psychotherapie / Christopher M. Ofenstein

Bildquelle: Pexels


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