Multiple Sklerose
Neurologische Erkrankungen
4. MULTIPLE SKLEROSE
Synonyme: disseminierte Sklerose, Encephalomyelitis- häufige neurolog. E.
- möglich sind psychische Veränderungen bis hin zur Demenz
DEFINITION
- chron. Entzündung des ZNS, Ursache ist unklar- Es entstehen Entzündungsherde, die eine Entmarkung des ZNS, d.h. den Verlust der Markscheiden
der Nervenzellen bewirken. Hauptsächlich im Hirnstamm, Rückenmark, Kleinhirn, Sehnerven und
in der weißen Substanz (substantia alba)
- Entzündungsherde wechseln zeitlich und räumlich
Symptom-Trias (Charcot-Trias)
= Anzeichen für eine Kleinhirnschädigung, tritt i.Allg. im späteren Verlauf auf, selten isoliert.
- Augapfelzittern (Nystagmus)
- skandierende Sprache
- Intentionstremor (Zittern beim Ausführen einer Bewegung)
SYMPTOMATIK
Anfangsstadium:- rasche Ermüdbarkeit
- Schweregefühl in den Beinen
- Schwächegefühl in den Gliedmaßen
- Schwindel
- Stolpern über kleine Hindernisse
- Entzündung des Sehnervs mit Sehverschlechterung ( - das führt Pat. i.d.R. erstmals zum Arzt)
- Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl, Kälte-Hitze-Empfindungen in Händen und
Füßen, Missempfindungen, Schmerzen)
- Paresen (zentrale spastische Lähmungen) in den Beinen
Im Krankheitsverlauf:
- verändertes Gangbild: steifer, breitbeiniger Gang, Treppensteigen wird schwierig
- Schreiben, Knöpfen, ... schwierig (Grund: Intentionstremor)
- Koordinationsstörungen
- Schluckstörungen
- Nystagmus
- Neuralgien (häufig im Gesicht - N. trigeminus + facialis)
- Funktionsstörung der Blase und Sexualstörungen - bei Beteiligung des Rückenmarks
Psychische Begleiterscheinungen:
- depressive Symptome (reaktive Depression nach Diagnosestellung)
- inadäquate euphorische Stimmung mit flachem Affekt
- gelegentlich paranoide Symptome
- Konzentrationsstörungen
Spätstadium:
- Demenz möglich
DIAGNOSTIK
- Anamnese
- Klinische Untersuchung (neurolog. Symptome zeitlich und räumlich versetzt)
- MRT (Entmarkungsherde aufspüren)
- Liquoruntersuchung
- elektro-pyhsiologische Untersuchung
Differentialdiagnostisch abklären lassen:
- andere Entzündungen des Nervensystems, z.B. Neuroborreliose, Neurolues
- Gefäßentzündungen im Gehirn
- Tumore
- Autoimmunerkrankungen
KRANKHEITSVERLAUF + EPIDEMIOLOGIE
- häufigste chron.-entzündliche Erkrankung des ZNS
- Prävalenz: 1 pro 2000
- Frauen doppelt so häufig als Männer
- Beginn meist zwischen 20 - 40 Lj.
- Zunahme vom Äquator her zunehmend bis in unsere Breiten
- Vererbbarkeit nicht nachgewiesen, kommt aber in einzelnen Familien gehäuft vor
Verlauf:
- schubförmig
- z.T. symptomfreie Intervalle und vollständige Rückbildung (30%) - sekundär chron. fortschreitend
- schließt sich an eine schubartige Phase an oder Vermischung mit obiger (40-60%) - chronisch-fortschreitend
- langsame, stetige Zunahme der Symptome (10-15%)
ÄTIOLOGIE
(früher: Bakterien oder Viren als Auslöse)
- heutiger Stand: Autoimmunerkrankung, d.h. Zellen der Immunabwehr greifen das Myelin an
(Isolierschicht des ZNS) und setzen hier einen Entzündungsprozeß in Gang.
- patholog. Kennzeichen: Entmarkung im ZNS - hinterlässt Narben an den betroffenen Stellen =
Namensgebung (Sklerose: Vernarbung)
- vielfältiges Erscheinungsbild - Grund: Entmarkung kann vielen unterschiedlichen Stellen auftreten
THERAPIE
= symptomatisch
- Medikamentös
- im Schub: i.v. Glukokortikoide
- im Intervall: immun-modulatorische Therapie
- anti-spastische Medikamente
- Physiotherapie
- Blasenkatheter
- Aufklärung der Pat. und Angehörigen
- psycho-soziale Betreuung
- Psychotherapie bei zunehmender Somatisierung, bei depressiven und ängstlichen Pat. - NUR von Therapeuten die darauf spezialisiert sind. Neuro-psycho-immunologische Vorgänge lassen sich positiv beeinflussen
Quelle: Lehrbuch Heilpraktier für Psychotherapie / Christopher M. Ofenstein
Bildquelle: Pexels
