Epilepsie

Neurologische Krankheitsbilder

Häufig:
  1. Epilepsie
  2. Morbus Parkinson
  3. Chorea Huntington
  4. Multiple Sklerose
  5. Schädel-Hirn-Trauma

1. EPILEPSIE

(Fallsucht / Heilige Krankheit / Morbus sacer)

- als Langzeitfolge der Epilepsie können psychische Veränderungen auftreten (chron. organ. Psychosyndrom)

Definition
- plötzliche Übererregbarkeit vieler Nervenzellen  = Gewitter im Gehirn
- plötzliche Entladung von Neuronen geht mit der Gleichschaltung
   vieler Nervenzellen einher (Synchronisation)

      - bleibt die Entladung auf ein  Hirnareal beschränkt = partieller bzw. fokaler Anfall
      - Erregung über das ganze Gehirn ausgebreitet = generalisierter Anfall


Gelegenheitsanfälle durch Fieber oder Blutzuckersenkungen sind möglich.
Erst wenn die Anfälle wiederholt und gesichert auftreten spricht man von Epilepsie.

KLASSIFIKATION

- nach der Entstehung
     - idiopathische (oder genuine = angeboren) E.
            - Auftreten ohne ersichtlichen Grund, Ursache unbekannt - vermutlich vererbt
            - häufig zwischen dem 10. - 30. Lebensjahr
     - symptomatische E. = zerebrale Krampfanfälle
            - Ursache: Schädigung des Gehirns (z.B. schweres Schädel-Hirn-Trauma/Sauerstoffmangel
              bei der Geburt / Tumor / Stoffwechselerkrankungen/ Blutungen / Vergiftung (Drogen,
              Alkohol)
     - kryptogene E.
            - Enstehung ungeklärt, Auslöser unbekannt - ca. 50% der Epilepsien

- nach den Symptomen
     - generalisierte tonisch-klonische Anfälle
             - Grand Mal (frz. großer Anfall)
     - Absence-Anfälle
             - Petit Mal (frz. kleiner Anfall) - Bewusstseinsverlust - OHNE Sturz oder Krampf
     - fokale Anfälle
             - es sind nur einzelne Körperteile/-regionen betroffen
             - Symptomatik einfach oder komplex
             - können sich zu generalisierten Anfällen entwickeln


SYMPTOMATIK

- generalisierter Anfall
      - oft durch die sogenannte "Aura" angekündigt
             = abnorme Wahrnehmungen kurz vor einem epileptischen Anfall
                    - epigastritische Aura (ein vom Magen aufsteigendes Gefühl) +
                    - dreamy state (eigenartiges Gefühl der Entfremdung) +
                    - sensorische Aura (optische, akustische oder alfaktorische Halluzinationen - z.B.
                                                    Punkte, Kreise, Lichter, Gerüche, ..)
       - tonisches Krampfstadium (angespannte Streckhaltung des Körpers) begleitet von
              - Initialschrei oder Stöhnen
              - Sturz zu Boden
              - Augen leicht geöffnet und verdreht
              - Pupillen lichtstarr
        - rhythmische Zuckungen der Extremitäten (klonisch)
        - Bewusstseinsverlust
        - Zungenbiss Gefahr
        - Schaum vor dem Mund
        - Einkoten / Einnässen möglich
        - Amnesie (keine Erinnerung an den Anfall) 
        - Terminalschlaf  (Dämmerzustand nach dem Anfall = postiktaler D.)

Dauer: einige Minuten

Typisch: Bewusstseinsverlust
               Anfälle zeigen sich auf beiden Seiten     

(Aura = Hauch - veraltete Annahme, Dampf steigt ins Gehirn auf und löst den Anfall aus)

SONDERFORMEN generalisierter Anfälle

- Blitz-Nick-Salaam-Anfall (West-Syndrom) - Babies im 2.-8. Monat, kein Fieberkrampf!
   Dauer: nur Sekunden
   Kopf geht blitzartig nach unten 
   Arme werden verschränkt
   Beine werden angezogen   

 - Fieberkrampf - Kinder  (6 Monate - 6 Jahre)
   Krämpfe (tonisch-klonisch) mit Dämmerzustand, z.T. kurze Bewußtlosigkeit, erhöhte Körpertemperatur

               

STATUS EPILEPTICUS
Notfallsituation - lebensbedrohlich = Notarzt rufen

= Dauer: länger als 5 Min. + Anfall mit Bewußtlosigkeit
oder
= Anfallsserie, kurz aufeinanderfolgend, mit Bewußtlosigkeit
oder
= Anfall bei Bewußtsein, aber länger als 20 Min. anhaltend

Folge:Hypoxie ( = zu wenig Sauerstoff im Gewebe) = Hirnschädigung droht = chron. organ. Psychosyndrom

NOTFALL-MASSNAHMEN
- Verletzungsgefahr! - Gegenstände entfernen
- nicht festhalten - keinen Zungenkeil einschieben - Verletzungsgefahr!
- Kleidung lockern (Krawatte, Kragen, ...)
- nach dem Anfall in die stabile Seitenlage bringen



Absence

Petit Mal / kleiner Absence Anfall
= "Aura"
= evtl. eingeengtes Bewußtsein
= plötzliche Abwesenheit / Bewußtseinspause (5-20 Sek.)
= typisch bei Kindern
= meist mit Gesichtsstarre und Blässe
= oft begleitet von Gähnen, Lecken, Augenverdrehen... (motorische Symptome)

Fokaler Anfall

= Symptomatik auf eine Körperseite begrenzt
= gleichförmige Automatismen (Schmatzen, Lecken, nesteln an der Kleidung, ...
= vegetative S. (Schwitzen, Herzklopfen, ...)
Dauer: wenige Min.

Chron. organ. Psychosyndrom

als Folge epileptischer Anfälle
= formale Denkstörungen
   (weitschweifiges + umständliches Reden, zähflüssiges Denken, langsames - umständliches - u.U.
    zwanghaftes Verhalten, halten an Gewohntem fest)
= Depression
= Demenz



DIAGNOSTIK
- in Fachpraxen / Kliniken
- EEG, MRT, CT
Differential-Diagnose: Epileptische Anfälle müssen von Psychogenen Anfällen (dissoziative Störung) abgegrenzt werden






EPIDEMIOLOGIE + VERLAUF
- häufige neurolog. Erkrankung  (o,5 - 1 % der Bevölkerung)
75%  erkranken vor dem 20 Lj.
Symptomatische E. überwiegen bei älterwerdenden Menschen
Verlauf + Prognose hängen von der Ursache ab
Medikamente: 2/3 sind dadurch Anfallsfrei
Erhöhtes Suizidrisiko!
Langfristig: chron. organ. Psychosyndrom

ÄTIOLOGIE / Ursachen:
- idiopathisch oder kryptogen (über 50%)
- symptomatisch
    - perinatal (Geburtskomplikationen)
    - Gefäßveränderungen
    - Hirntumore
    - Medikamente
    - Dorgen / Alkohol (v.a. Entzug)
    - Infektionen (Enzephalitis, ...)
    - metabolisch (Urämie, Hypoglykämie, ...)
    - post-traumatisch (Schädel-Hirn-Trauma, ...)

Eine latente E. kann ausgelöst werden durch, z.B. Hell-Dunkel-Wechsel, Blitzartige Effekte, Schlafentzug, Alkoholkonsum, Hyperventilation

THERAPIE
Dauermedikation = Antikonvulsiva (entkrampfend)
Notfall = Benzodiazepine, wie Valium, Rivotril (beruhigend)
Psycho-Edukation (Aufklärung v. Pat. + Angehörigen)


 Quelle: Lehrbuch Heilpraktier für Psychotherapie / Christopher M. Ofenstein

Bildquelle: Pexels

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schädel-Hirn-Trauma

Neurobiologie

Chorea Huntington