Epilepsie
Neurologische Krankheitsbilder
Häufig:
- Epilepsie
- Morbus Parkinson
- Chorea Huntington
- Multiple Sklerose
- Schädel-Hirn-Trauma
1. EPILEPSIE
(Fallsucht / Heilige Krankheit / Morbus sacer)- als Langzeitfolge der Epilepsie können psychische Veränderungen auftreten (chron. organ. Psychosyndrom)
Definition- plötzliche Übererregbarkeit vieler Nervenzellen = Gewitter im Gehirn
- plötzliche Entladung von Neuronen geht mit der Gleichschaltung
vieler Nervenzellen einher (Synchronisation)
- bleibt die Entladung auf ein Hirnareal beschränkt = partieller bzw. fokaler Anfall
- Erregung über das ganze Gehirn ausgebreitet = generalisierter Anfall
Gelegenheitsanfälle durch Fieber oder Blutzuckersenkungen sind möglich.
Erst wenn die Anfälle wiederholt und gesichert auftreten spricht man von Epilepsie.
KLASSIFIKATION
- nach der Entstehung- idiopathische (oder genuine = angeboren) E.
- Auftreten ohne ersichtlichen Grund, Ursache unbekannt - vermutlich vererbt
- häufig zwischen dem 10. - 30. Lebensjahr
- symptomatische E. = zerebrale Krampfanfälle
- Ursache: Schädigung des Gehirns (z.B. schweres Schädel-Hirn-Trauma/Sauerstoffmangel
bei der Geburt / Tumor / Stoffwechselerkrankungen/ Blutungen / Vergiftung (Drogen,
Alkohol)
- kryptogene E.
- Enstehung ungeklärt, Auslöser unbekannt - ca. 50% der Epilepsien
- nach den Symptomen
- generalisierte tonisch-klonische Anfälle
- Grand Mal (frz. großer Anfall)
- Absence-Anfälle
- Petit Mal (frz. kleiner Anfall) - Bewusstseinsverlust - OHNE Sturz oder Krampf
- fokale Anfälle
- es sind nur einzelne Körperteile/-regionen betroffen
- Symptomatik einfach oder komplex
- können sich zu generalisierten Anfällen entwickeln
SYMPTOMATIK
- generalisierter Anfall- oft durch die sogenannte "Aura" angekündigt
= abnorme Wahrnehmungen kurz vor einem epileptischen Anfall
- epigastritische Aura (ein vom Magen aufsteigendes Gefühl) +
- dreamy state (eigenartiges Gefühl der Entfremdung) +
- sensorische Aura (optische, akustische oder alfaktorische Halluzinationen - z.B.
Punkte, Kreise, Lichter, Gerüche, ..)
- tonisches Krampfstadium (angespannte Streckhaltung des Körpers) begleitet von
- Initialschrei oder Stöhnen
- Sturz zu Boden
- Augen leicht geöffnet und verdreht
- Pupillen lichtstarr
- rhythmische Zuckungen der Extremitäten (klonisch)
- Bewusstseinsverlust
- Zungenbiss Gefahr
- Schaum vor dem Mund
- Einkoten / Einnässen möglich
- Amnesie (keine Erinnerung an den Anfall)
- Terminalschlaf (Dämmerzustand nach dem Anfall = postiktaler D.)
Dauer: einige Minuten
Typisch: Bewusstseinsverlust
Anfälle zeigen sich auf beiden Seiten
(Aura = Hauch - veraltete Annahme, Dampf steigt ins Gehirn auf und löst den Anfall aus)
SONDERFORMEN generalisierter Anfälle
- Blitz-Nick-Salaam-Anfall (West-Syndrom) - Babies im 2.-8. Monat, kein Fieberkrampf!Dauer: nur Sekunden
Kopf geht blitzartig nach unten
Arme werden verschränkt
Beine werden angezogen
- Fieberkrampf - Kinder (6 Monate - 6 Jahre)
Krämpfe (tonisch-klonisch) mit Dämmerzustand, z.T. kurze Bewußtlosigkeit, erhöhte Körpertemperatur
STATUS EPILEPTICUS
Notfallsituation - lebensbedrohlich = Notarzt rufen
= Dauer: länger als 5 Min. + Anfall mit Bewußtlosigkeitoder
= Anfallsserie, kurz aufeinanderfolgend, mit Bewußtlosigkeit
oder
= Anfall bei Bewußtsein, aber länger als 20 Min. anhaltend
Folge:Hypoxie ( = zu wenig Sauerstoff im Gewebe) = Hirnschädigung droht = chron. organ. Psychosyndrom
NOTFALL-MASSNAHMEN
- Verletzungsgefahr! - Gegenstände entfernen
- nicht festhalten - keinen Zungenkeil einschieben - Verletzungsgefahr!
- Kleidung lockern (Krawatte, Kragen, ...)
- nach dem Anfall in die stabile Seitenlage bringen
Absence
Petit Mal / kleiner Absence Anfall= "Aura"
= evtl. eingeengtes Bewußtsein
= plötzliche Abwesenheit / Bewußtseinspause (5-20 Sek.)
= typisch bei Kindern
= meist mit Gesichtsstarre und Blässe
= oft begleitet von Gähnen, Lecken, Augenverdrehen... (motorische Symptome)
Fokaler Anfall
= Symptomatik auf eine Körperseite begrenzt= gleichförmige Automatismen (Schmatzen, Lecken, nesteln an der Kleidung, ...
= vegetative S. (Schwitzen, Herzklopfen, ...)
Dauer: wenige Min.
Chron. organ. Psychosyndrom
als Folge epileptischer Anfälle= formale Denkstörungen
(weitschweifiges + umständliches Reden, zähflüssiges Denken, langsames - umständliches - u.U.
zwanghaftes Verhalten, halten an Gewohntem fest)
= Depression
= Demenz
DIAGNOSTIK
- in Fachpraxen / Kliniken
- EEG, MRT, CT
Differential-Diagnose: Epileptische Anfälle müssen von Psychogenen Anfällen (dissoziative Störung) abgegrenzt werden
EPIDEMIOLOGIE + VERLAUF
- häufige neurolog. Erkrankung (o,5 - 1 % der Bevölkerung)
75% erkranken vor dem 20 Lj.
Symptomatische E. überwiegen bei älterwerdenden Menschen
Verlauf + Prognose hängen von der Ursache ab
Medikamente: 2/3 sind dadurch Anfallsfrei
Erhöhtes Suizidrisiko!
Langfristig: chron. organ. Psychosyndrom
ÄTIOLOGIE / Ursachen:
- idiopathisch oder kryptogen (über 50%)
- symptomatisch
- perinatal (Geburtskomplikationen)
- Gefäßveränderungen
- Hirntumore
- Medikamente
- Dorgen / Alkohol (v.a. Entzug)
- Infektionen (Enzephalitis, ...)
- metabolisch (Urämie, Hypoglykämie, ...)
- post-traumatisch (Schädel-Hirn-Trauma, ...)
Eine latente E. kann ausgelöst werden durch, z.B. Hell-Dunkel-Wechsel, Blitzartige Effekte, Schlafentzug, Alkoholkonsum, Hyperventilation
THERAPIE
Dauermedikation = Antikonvulsiva (entkrampfend)
Notfall = Benzodiazepine, wie Valium, Rivotril (beruhigend)
Psycho-Edukation (Aufklärung v. Pat. + Angehörigen)
Quelle: Lehrbuch Heilpraktier für Psychotherapie / Christopher M. Ofenstein
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