Suizid + Suizidalität - Prävention - 2

SUIZID + SUIZIDALITÄT 

 

PRÄVENTION

PÖLDINGER - SUIZIDALE KRISE

Drei Phasen

1. Erwägung - gedankliche Beschäftigung
    gefördert durch
                              - psycho-soziale Faktoren (z.B. Existenzängste, soz. Isolierung, ...)
                              - Zuspitzung der Lebenssituation
                              - suggestive Einflüsse (Bericht über Suizide, ...)


2. Ambivalenz - unentschlossen, hin- und hergerissen
    S. kann durch "Krisenintervention" noch aufgehalten werden  
    bemerkbar durch
                                  - doppeldeutige Mitteilungen / Andeutungen
                                  - Drohworte
                                  - S. wird zum Thema

3. Entschluss - Ruhe vor dem Sturm - gekennzeichnet durch sehr ruhiges, entspanntes, gelöstes Verhalten

Tatsächlich absolute Ausnahmesituation! Gedankliche Einengung auf den Suizid - efindet sich in seiner eigenen Welt - bis hin zu drängenden Suizidphantasien mit Trancezuständen - für die Außenwelt kaum noch erreichbar


 

RINGEL - PRÄSUIZIDALES SYNDROM

- Ergebnis einer Studie an 700 Überlebenden eines Suizids
- hilft bei der Abschätzung der Suizidalität


Drei Merkmale

1. Einengung  (lebenssituativ, psycho-sozial, affektiv, kognitiv)
    - krisenhafte Situation - Wahlmöglichkeiten werden als eingeengt erlebt - es lohnt sich nicht mehr zu leben und zu kämpfen

           lebenssituativ: existenzielle Bedrohung durch Arbeitslosigkeit, Scheidung, Tod, ...
           psycho-sozial: Einengung durch Rückzug, Vereinsamung, Isolierung
           affektiv: Einengung des Fühlens + Denkens (Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit...)
           kognitiv: Einengung der Wahrnehmung (nur Negatives ist im Blick)
         
2. Aggressionsumkehr 
    - Aggression nimmt zu, kann nicht ausgelebt werden, richtet sich vermehrt gegen sich selbst

3. Suizidphantasien
    - der Realität nicht gewachsen = Flucht in eine Scheinwelt - Tod = scheinbare Erleichterung




ÄTIOLOGIE

Menschen mit suizidaler Gefährdung befinden sich meistens in einer Krise
ihnen fehlen adäquate Coping-Mechanismen (Bewältigungsstrategien) um die Probleme zu lösen, sodass es zur Kurzschlusshandlung Suizid kommt.

Suizid = Hilfeschrei = Betroffene sehen keine Möglichkeit die Lage erträglich oder besser zu machen.

Ausschlaggebend
- Persönlichkeitsstruktur
- ungünstige äußere Bedingungen
- subjektives Erleben
- Bewältigungsmöglichkeiten

Risikofaktoren
- lebensbedrohende Erkrankung
- psychische Erkrankung (Depressive, Suchtkranke)
- soziale Isolation + Einsamkeit
- Lebensalter (Senioren, Jugendliche)
- Partnerverlust + Partnerschaftsprobleme
- berufliche, zwischenmenschliche, finanzielle Notlagen
- Verlust der Heimat
- Biografische Faktoren (Tod, Scheidung, Pubertät, Wechseljahre, ...)
- Suizide in der Familiengeschichte
- Jahreszeiten, Vollmond, Föhn...

Beweggründe
- auto-aggressive Tendenzen (ausgelöst durch Selbsthass oder Selbstbestrafung)
- fremd-aggressive Impulse (sich an jemandem rächen, jemanden bestrafen)
gleichzeitig
- unlösbare Lebenssituation - Wunsch nach Pause!



EPIDEMIOLOGIE
90% der Suizide aufgrund psychischer Erkrankungen:
             depressive Episoden (40-60%)
             Suchterkrankungen (20% Alkoholismus)
             schizophrene Psychosen (10%)
             Persönlichkeitsstörungen (5%)
Schwere chron. körperliche Erkrankungen sind ein weiterer entscheidender Faktor!
Suizidrate - in Industrienationen höher als in Entwicklungsländern!

- Deutschland:  alle 45 Min. ein Suizid = 11.000 /Jahr
                         weltweit ca. 1 Mio. /Jahr
- Suizidversuche: 3x mehr Frauen, bereits von 6-jährigen Kindern bekannt
- Suizide: 4x mehr Männer
- Suizidversuche 10-100x häufiger als Suizide
- im Alter steigt die Suizidrate - vermehrt bei alleinstehenden Männern
- in der Jugend hohe Rate an Suizidversuchen - vermehrt 15-30 j. Frauen
- homosexuelle mehr als heterosexuelle Jugendliche
- 50% der Suizide ging ein Suizidversuch voraus
- psych. Erkrankungen erhöhen die Suizide, 10-30x
- geschieden / verwitwet - Risikofaktor - je älter desto gewichtiger
- Suizide vorwiegend in Unter- und Oberschicht
- keine andere Todesart hinterlässt so gravierende Spuren bei Freunden + Verwandten, ihre Sterblichkeit ist im ersten Jahr nach der Tat besonders hoch
- Suizid als Todesursache: bei 12-24jährigen an 2. Stelle - bei erwachsenen Europäern an 9. Stelle


Quelle: Lehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie - Christopher M. Ofenstein

Bildquelle: Pexels

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