Suizid und Suizidalität - 1

SUIZID + SUIZIDALITÄT

 
DEFINITION

Suizidalität = alle Kräfte eines Menschen streben danach dem eigenen Leben ein Ende zu setzen
   - Wunsch: Ruhe, Veränderung der Lebenssituation, das Leben unterbrechen/pausieren mit dem
                    Risiko zu sterben

Suizid = absichtliche Selbstschädigung mit dem Ziel eines tödlichen Ausgangs
           = kann in der vollendeten Selbsttötung enden, aber auch im Suizidversuch

Parasuizid = ohne wirkliche Selbsttötungsabsicht = Verzweiflungstat, um Aufmerksamkeit zu erlangen, Hoffnung auf Rettung

Wird die Ursache des Parasuizids nicht erkannt und nicht therapeutisch behandelt, kann auf den absichtlich missglückten ein tatsächlicher Suizidversuch folgen.

Parasuizid = nicht in der ICD-10 = sondern gilt hier als vorsätzliche Selbstbeschädigung

Grundproblem:
Schweigen
- es wird nicht über das eigentlich Problem gesprochen, ...man macht alles mit sich aus...
- findet alleine keine Lösung, die aber in den allermeisten Fällen da ist
- Sinnlosigkeit, Lebensmüde sein, Versagensängste, ... sind ein gesellschaftliches Tabu


SYMPTOMATIK

- sehr unterschiedlich, hängt von den ursächlichen Faktoren ab, z.B.
- Schlafstörungen
- Affektstörungen (Hoffnungslosigkeit, ...)
- formale + inhaltliche Denkstörungen (Grübelleien, Ängste, Schuldgefühle, Unfähigkeit...)
- Halluzinationen (Stimmen fordern zum Suizid auf, ...)
- Antriebsstörungen (sozialer Rückzug, Interessenlosigkeit, ...)
- autoaggressive Tendenzen - mischen sich mit dem Wunsch nach Ruhe oder Zuwendung
- suizidale Gedanken (Möglichkeit der Selbsttötung wird in Erwägung gezogen)
- Suizidabsicht (Absicht der Selbsttötung)
- Suizidhandlung (Selbstschädigung mit Tötungsabsicht)

Ist eine Person mit Selbsttötungsabsicht mit einem Klinikaufenthalt einverstanden - UNBEDINGT sicherstellen, dass sie von einer Bezugsperson in die psychiatrische Ambulanz begleitet wird. - Ein bloßes Versprechen ist zu wenig!



FORMEN
- erweiterter S. / Mitnahme-S. = Vater/Mutter tötet auch die Kinder, ...
- Bilanz S. = selten = rationale Kriterien stehen im Vordergrund (Verschuldung, Verlust der Ehre, ...)
- Chron. S. = häufige suizidale Krisen (bei Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, ...)
- Nachahmungs-S. = Werther-Effekt = Leser identifizierten sich stark mit dem Helden, es gab eine Suizidwelle nach dem Erscheinen von Goethes Werk


METHODEN
weicher S.
      = Vergiftungen aller Art, Ertrinken = eher weibliche Form = endet meist mit Suizidversuch
harter S.
      = erhängen, erschießen, vor den Zug werfen, Stürze aus großer Höhe = eher männliche Form = endet meist mit Suizid


Die Wahl der Methode gibt keinen Aufschluss auf die "Ernsthaftigkeit" der Absicht. 
Androhungen und Versuche müssen ernstgenommen werden!

80% kündigen den S. an
Wiederholungsrisiko: 30-50% im ersten Jahr danach



Quelle: Lehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie - Christopher M. Ofenstein

Bildquelle: Pexels

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